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März 2008

Cebit: Die ITK-Branche wird effizient, echte Innovationen bleiben aus.

Lischke Consulting hat der Branche den Puls gefühlt.

Mit der Cebit hat auch dieses Jahr wieder die internationale ITK-Wirtschaft in Hannover gastiert. Neben der mittlerweile mehrere Jahre andauernden Diskussion über das Schrumpfen der ehemaligen Leitmesse stand in diesem Jahr das Motto "Green IT" auf der Agenda. Zentrale Aspekte sind schadstoffarme Betriebs- und Produktionsprozesse sowie energie-effieziente Geräte. Damit ist auch die ITK-Branche beim internationalen Topthema Umwelt- und Klimaschutz angekommen, was sich sicherlich auch aus marketing-strategischer Sicht gut nutzen lässt. Das zeigt andererseits aber, dass in der Branche nicht mehr technische Innovationen und Neuheiten die Schlagzeilen dominieren. Auf der Cebit richtet sich das Augenmerk auf Themen des Betriebs und auf die Umsetzung der Konzepte, die dort vor fünf Jahren als Prototypen und Zukunftsstudien gezeigt wurden.

Betrachtet man die gezeigten Produktneuheiten, wurde weiterhin versucht bestehende Technologien zu kombinieren. So haben jetzt auch Navigationsgeräte e-Mail-, SMS- und Messagingfunktionen. Handsets können navigieren. Oder sie können fotografierte fremdsprachige Schilder übersetzen. Dank immer leistungsstärkerer und energieeffizienterer Endgeräte rücken solche Dienste in den Mittelpunkt: Bildersuche, mobile TV und personalisierter Content werden in allen Variationen angeboten.

Der nächste Durchbruch ist allerdings noch nicht in Sicht: fixed-mobile convergence. Noch sind die Betreiber "entweder-oder-Anbieter". Das Web oder das Telefon zum mitnehmen und wieder mit nach Hause bringen wird noch nirgends angeboten. Und es bleibt fraglich, wann und ob dieser Durchbruch gelingt und der Benutzer nur noch einen Anrufbeantworter und eine einzige Datenablage benötigt, auch wenn es die Parole „Ein Kunde, eine Rechnung“ vermuten lässt.

Fazit: Die Unternehmen der Branche haben sich spezialisiert, es stehen nicht mehr Innovationen sondern Operations im Fokus. Der Markt hat einen neuen Reifegrad erlangt. Damit bleiben große Überraschungen aus.

Wie andere Branchen zuvor (z.B. die Automobilbranche), befindet sich auch die ITK-Branche in einer Phase, in der die Herausforderungen vor allem in Effizienz und operativer Exzellenz liegen. Das bedeutet z.B. für Themen der Beschaffung und des Supply Chain Managements, dass mit der Spezialisierung auch die vertikale Integration und die Frage ob selbst anbieten oder zukaufen wieder ein Thema ist.

In Vertrieb und Marketing wird am stärksten deutlich, dass das Wachstum sich verlangsamt hat. Neben dem Ausbau der bestehenden Kanäle, um auch der kleinsten Zielgruppe noch ein Produkt zu verkaufen, stellt sich die Frage, was in den nächsten Jahren mit den ausgebauten Kanälen geschehen soll: wieder abbauen, oder anderweitig nutzen? Wird im bisherigen Ausmaß weiter expandiert, wird die Profitabilität der Vertriebskanäle zumindest zu hinterfragen sein.

In der Produktentwicklung werden auch künftig Innovationen ein zentraler Treiber bleiben. Zwar nicht bahnbrechend, aber dafür exzellent in der Umsetzung: wie geht das günstig, schnell und fehlerfrei und vor allem so dass der Kunde auch etwas davon hat? Es gilt jetzt, den Trend fortzusetzen, den das iPhone begonnen hat: durch Nutzerfreundlichkeit den Spaßfaktor bei neuen Diensten zu erhöhen.

Im nächsten Jahr heißt es, sich auf diese Umsetzungsthemen zu konzentrieren. Damit bleibt zu erwarten, dass die Cebit 2009 sich noch weiter fokussieren wird: erstens wird die Zahl der Anbieter durch Zusammenschlüsse kleiner und zweitens werden die Anbieter hohe Messekosten scheuen, wenn es keine differenzierenden und bahnbrechenden Neuheiten zu präsentieren gibt. Mit o2 blieb 2008 nach e-plus bereits der zweite Mobile Carrier der Messe fern. Dies kann Folge des erstarkten Mobile World Congress in Barcelona sein. Andererseits kann dies aber auch bedeuten, dass noch weitere Unternehmen ihre Produktentwicklungen nicht mehr nach dem Messekalender planen werden, sondern deren Marktreife sowohl in technischer Hinsicht als auch aus Nachfragerperspektive abwarten wollen. Exzellent in der Umsetzung eben.

Kontakt:

Dr. Torsten Herzberg (Manager),

Patrick Koch (Berater),